An Tagen wie diesen...

...wünscht man sich Unendlichkeit!

 

wolferbornBesser als mit diesem Songtitel der Toten Hosen lässt sich die Stimmung während und nach dem Konzert vom gemischten Chor „New Inspiration“ aus Wolferborn wohl nicht ausdrücken.

Gemeinsam mit dem Jugend-Projektchor „Young Vocals“ und den „New Inspiration Kids“ (NIK), hatten diese Chöre des Männergesangvereins 1884 Wolferborn zu einem ganz besonderen Konzert unter dem Motto „zu 99% Deutsch – Schlager, Rock, Pop, Ohrwürmer“ im Mai in die Stadthalle nach Büdingen eingeladen. Unter der Leitung von Patrick Schauermann hatte man sich monatelang intensiv auf diesen Abend vorbereitet und das hat sich vollends ausgezahlt. Der Funke sprang sofort auf die über 500 Zuschauer in der vollbesetzten Halle über und die Begeisterung kannte während der folgenden drei Stunden keine Grenzen.

Mit dem scherzhaft umgedichteten „Der Jäger längs dem Weiher ging“ („steht einer vorn und winkt“) begann New Inspiration das Programm ganz traditionell, während im Zuschauerraum ein Jäger (Thomas Grünwald) es sich mit seinem hölzernen Gewehr noch einmal anders überlegte und den (Deko)-Hirsch lieber unversehrt mit an die Theke nahm.

 

Der von Andrea Faust geleitete Kinderchor NIK startete das Programm, passend zur Bühnendeko, mit „99 Luftballons“ von Nena und die Mädchen ließen am Ende wirklich bunte Ballons zur Decke aufsteigen. Bei „Wunder gescheh´n“ (Nena) und „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus Tabaluga von Peter Maffay hatten sie dann Unterstützung vom gemischten Chor. Auf die thematisch geordneten Liedbeiträge wurde ab hier mit kurzen Gedichten von Goethe, Eugen Roth bis Heinz Erhardt zwischendurch augenzwinkernd hingewiesen. Die beiden Wise Guys-Titel „Meine heiße Liebe“ und „Probier´s mal mit ´nem Bass“ erzählten a-cappella von der Liebe zum Kaffee und der besonderen Rolle der Bässe im Chor. Während Grönemeyer`s „Mambo“ die anstrengende Parkplatzsuche in der Stadt beschreibt , kamen mit Unterstützung der Begleitband (Christian Kling am E-Piano, Thomas „Charly“ Appel am Keyboard, Alex Wenz am Schlagzeug) mit „Tanze Samba mit mir“ (Tony Holiday) karibische Urlaubsgefühle in die Halle. Die folgende anspruchsvolle „Perfekte Welle“ der Gießener Band Juli hatte die Sängerinnen und Sänger viele Probestunden gekostet, was sich gelohnt hat: Sie klang „perfekt“ und das Publikum war begeistert.

 

Dass New Inspiration viele Talente in seinen Reihen hat, zeigte eine Mundart-Gruppe samt Gitarre mit dem Stück „Schnitzel un Rippche“, das erzählt, dass sich auch im Ausland immer deutsche Hausmannskost finden lässt. Was passiert, wenn man im Sommer auf Reisen geht und sein Hackfleisch zum Auftauen auf der Fensterbank vergisst, kann man sich vorstellen. Den heimischen „Urlaub“ der Maden schilderte „Zwiebelmett“. Die 20minütige Pause wurde anschließend eingeläutet mit dem „Zottlmarsch“, bei dem der Chor auf witzige Art eine Blaskapelle imitiert.

 

Den Beginn des zweiten Teils des Abends bildete der Jugend-Projektchor „Young Vocals“. Die Gruppe hatte sich erst im Februar gefunden und in dieser kurzen Zeit Bemerkenswertes erreicht. Die Stücke „Hungriges Herz“ (M.I.A.), „Angels“ (Robbie Williams) und „People“ (Birdy), letzteres sogar mit Solistinnen (Jannika Schneider, Ida Grünwald), wurden vom Publikum mit frenetischem Applaus bedacht. Beim „4 Chords Song“ (The Axis of Awesome) sollten dann die Zuhörer wirklich mal genau hinhören und mitzählen aus wie vielen bekannten Titeln (30!) dieses Stück besteht. Zwei Sänger der Young Vocals bildeten dazu die Gitarrenbegleitung.

Die Chorgruppe durfte nicht ohne verdiente Zugabe die Bühne verlassen.

 

Danach stand eine Frau alleine auf der Bühne und somit im Rampenlicht.

Petra Krewet von New Inspiration sang, von Patrick Schauermann am Flügel begleitet, beeindruckend kraftvoll den Adele-Titel „Someone like you“.

 

Einen ganz persönlichen Wunsch erfüllte sich der langjährige Vorsitzende des Gesangvereins und Sänger im gemischten Chor, Helmut Roth an diesem Abend: Er sang das berührende Lied „Mein Kind“ von Peter Maffay, welches für ihn eine besondere Bedeutung hat. Die musikalische Begleitung bildete er selbst dabei gekonnt am Piano. Das Publikum und seine Chorkollegen waren begeistert.

 

Das Konzert kam bewusst ohne gedrucktes Programm für die Zuschauer aus um den Überraschungseffekt zu wahren. Der Chor selbst erfuhr erst in der Generalprobe von Helmut Roths Solo und hörte sogar ein; später im Verlauf folgendes, Stück („Mein Sack“) über Gedanken zur männlichen Intimrasur erst im Konzert selbst zum ersten Mal, was live zu echten Emotionen führte.

 

Bei den Stücken „Hinterm Horizont“ (U.Lindenberg), „König von Deutschland“ (Rio Reiser), „Tausendmal berührt“ (Klaus Lage) und „Auf Uns“ (A.Bourani) nahm die Kostümierung der Sänger schrittweise zu: Sonnenbrillen und Hüte, Kronen und Fussball-Fan-Accessoires. Bei „Skandal im Sperrbezirk“ (Spider Murphy Gang) flog diverse Reizwäsche ins Publikum, die anschließend von unserem „Jäger“, jetzt als Hausmeister unterwegs, wieder eingesammelt wurde. Spätestens hier gab es im Publikum kein Halten mehr.

 

Mit roten Rosen bedacht wurde „Udo Jürgens“ Patrick Schauermann im stilechten weißen Bademantel am Klavier, nach dem Chorstück „Ich war noch niemals in New York“.

Mit einem ABBA-Medley bog man jetzt auf die Zielgerade ein, wobei auch „Thank you for the music“ natürlich nicht fehlen durfte.

 

Mit dem fulminanten „Tage wie diese“ ,gesungen von den Young Vocals und New Inspiration und dem Song „We are the world“ (M.Jackson/L.Richie), gemeinsam mit dem Kinderchor, ging ein beeindruckendes Konzert zu Ende.

„Das Publikum war heute wieder wundervoll“ - mit diesem kleinen a-cappella-Stück bedankte man sich abschließend aus vollem Herzen winkend vom wirklich tollen Publikum.

 

Text: Silke Walenta

Fotos: Ralf Schneider