„Gewinner der Herzen“

vocale-Sänger in Wales

 

Sängerkranz vocale Wales WettbewerbAufregend und spannend ist es immer und viel Spaß haben die Sänger des vocale-Chores des Sängerkranz Watzenborn-Steinberg mit ihren Anhängern sowieso, wenn sie auf internationale Chorreise gehen. Nach der letzten Teilnahme an Chorwettbewerben in Budapest (2011) und Riga (2014) bei den World Choir Games waren es diesmal 62 Chorreisende, darunter 36 vocale-Sänger mit Chorleiter Peter Schmitt, die die britische Insel als Ziel ausgesucht hatten. Genauer gesagt war es das traditionsreiche Musikfestival „International Musical Eisteddfod“ in der kleinen walisischen Stadt Llanggollen, die für die Pohlheimer den Rahmen der sechstägigen Chorreise bildete. Dabei gaben die Gäste aus der „Singenden Stadt“ eine hervorragende musikalische Visitenkarte ihrer Heimat ab, die die Herzen der britischen und internationalen Zuhörer höher schlagen ließen. Das es dabei aber auch einen kleinen Wermutstropfen am Ende eines hervorragenden Wettbewerbsauftritts gab, konnte die gute Laune der Sänger und ihrer zahlreich mitreisenden Frauen als vocale-Fans nicht schmälern. Die Wertung der dreiköpfigen Jury sorgte für Unverständnis und Kopfschütteln, besonders auch unter den neutralen britischen Zuhörern. Dazu aber später mehr.

 

Nach monatelangen organisatorischen und musikalischen Vorbereitungen war die Reisegruppe mittwochsfrüh aufgebrochen. Rotterdam war das erste Ziel mit dem Bus. Nach kurzem Aufenthalt mit Hafenrundgang ging es auf die Fähre über Nacht in Richtung „Insel“. Ausgeschifft bei Sonnenaufgang im mittelenglischen Hull, ging es weiter nach Manchester. Die Stadt mit seiner damaligen Schlüsselrolle in der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert wurde durch einen Stadtrundgang erkundet. Fußballfans unter den vocale-Sängern waren unterdessen Gäste in der Heimstadt des renommierten Fußballclub der Premiere-League Manchester United, im Fußballstadion Old Trafford. Noch am Abend kam man am Ziel der Reise in Llangollen an. Das belebte Festivalgelände unweit der kleinen verträumten wallisischen Marktfleckens am Fluß Dee wurde erkundet. Für die Sänger stand dann der Gesang an erster Stelle. Ein gut besetztes Konzert wurde gemeinsam mit dem kalifornischen Chor „Men in Blaque“ in der St. Collens Kirche veranstaltet. Den US-Sängern begegneten die Watzenborn-Steinberger am Tag darauf beim Wettbewerb in ihrer Gruppe als erwartet starker Gegner wieder. Schon in der Kirche wurden beide Chöre mit starkem Applaus bedacht. Das romantische Stück „Schöne Nacht“ (Wilhelm Nagel), das sakral aber modern gesetzte „Kyrie“ von Piotr Janczak sowie die Spirituals „My soul`s been anchored in the Lord“ (Moses Hogan), „I will praise thee, o lord“ (Knut Nystedt) als Generalprobe für den folgenden Wettbewerb sowie „Little Lamb“ kamen erstklassig im Kirchenschiff intoniert an bei den Walisern. Dem folgte noch als Zugabe das schottische Nationalvolkslied „Loch Lomond“ mit Solist Erik Burger. Da gab es nicht nur in der Kirche Emotionen bei den Zuhörern, denn auch noch später bei einem Spontankonzert zu Ehren eines britischen Brautpaars im Hotel konnten manche der Gäste die Tränen der Rührung bei diesem Stück nicht zurückhalten.

 

Sängerkranz vocale Wales UmzugMit der hohen Anzahl von sieben Chören, darunter fünf aus Wales und der eine aus den USA, hatten es dann die Sänger in der Männerchorklasse am folgenden Samstagabend zu tun. Und sie gaben dabei alles und waren so Beobachter, wie der Langgönser Chorleiter Werner Jung, in „der besten musikalischen Form der letzten Jahre“. Es wurde musiziert, es frassiert, es wurde intoniert, es wurde auf die Aussprache geachtet, wie die Komponisten es in ihren Partituren forderten und wie Peter Schmitt es mit ihnen geprobt hatte. Alleine es reichte bei den Juroren mit Maria Gamborg Helbekkmo (Norwegen), Bruce Rogers (Kalifornien/USA) und John Fitzpatrick (Irland) nicht, um damit unter die ersten Drei zu kommen. Staunen und Kopfschütteln bei den Chorexperten, Sängern und neutralen Zuhörern löste vor allem der Hinweis über die Aussprache des lateinischen Wortes „Kyrie“ aus, die einige Fragen an die fachliche Kompetenz der Jury offen ließ. So herrschte nach der Punktebekanntgabe zunächst eine hörbare ungläubige Stille im großen Rund des Konzertzeltes, dem ein Grummeln folgte. Die drei Preisträger mit dem US-Chor an der Spitze und zwei Heimchören aus Wales wurden so nicht lauthals wie üblich gefeiert sondern „nur“ mit höflichen Applaus bedacht. Das erlebt man in dieser Form selten bei Wettbewerben. Auf internationaler Bühne belegten die vocale den folgenden stolzen vierten Platz und das mit einer Top-Leistung, von der man sich selbst im Internet beim Wallischen TV noch von hier überzeugen kann. Gewinner der Herzen waren sie aber auf jeden Fall, wenn man starken Applaus und Zuspruch für sie beobachten konnte. Mit dem Transparent „vocale - Simply the best!“ zeigten die mitgereisten Fans zudem ihre große Unterstützung und nach kurzer Enttäuschung wurde so bis weit nach Mitternacht gefeiert.

 

Peter Schmitt sprach von einer „tollen vocale-Mannschaft“ mit der er „unvergessliche Tage“ in Wales verbracht hatte. Dazu gehörte auch der Umzug durch die Stadt mit allen Teilnehmern, bei der die Pohlheimer für Deutschland, Hessen und ihre Heimatstadt Flagge zeigten und farbenfroh und gut gelaunt beste Werbung machten. Bevor man in Dover Großbritannien „Good bye“ sagte, besuchte man noch den Sommersitz der Queen auf Schloß Windsor an der Themse zur besten Teezeit. Am späten Montagabend war man nach ingesamt 2.046 Buskilometern und 222 Seemeilen auf Schiff wieder glücklich zuhause angekommen. Dank ging noch einmal von Schmitt an seine vocale-Sänger, sowie von der gesamten Sängerkranz-Reisegruppe an die Organisatoren Ronald und Frank Wehrum, Karl-Heinz Gros und Dieter Grünfelder.

 

Text und Foto: Roger Schmidt