ClaritasVocalis beim Internationalen Chorwettbewerb in Spittal/Österreich

 

Claritas Vocalis Spittal c privat webSing joyfully

„Singet fröhlich!“ - eine Aufforderung, der man nur zu gerne nachkommt, wenn sich über 400 Sängerinnen und Sänger aus vier Kontinenten zusammenfinden. So geschehen vom 6. - 9. Juli 2017 im österreichischen Spittal an der Drau beim 54. Internationalen Chorwettbewerb (oder „Chorbewerb“, wie man in Österreich zu sagen pflegt). Mit der Auswahl des Psalmes „Sing joyfully“ des englischen Alten Meisters William Byrd als eines von drei Pflichtstücken, zeigt die Jury des Wettbewerbs, worauf es auch bei einem Chorwettbewerb ankommt: Freude am Singen und an der Gemeinschaft. Und die haben wir, der Frankfurter Kammerchor „ClaritasVocalis“, als deutscher Vertreter bei der diesjährigen Ausgabe des Wettbewerbs in Spittal ganz gewiss.

 

Kein schöner Land

Das Renaissance-Schloss Porcia im Zentrum Spittals, umrahmt von der majestätischen See- und Bergwelt Kärntens bietet die Kulisse für vier Tage Vokalmusik vom Feinsten. „Kein schöner Land in dieser Zeit“ - die berühmte Melodie Wilhelm von Zuccalmaglios, wunderbar wehmütig gesetzt von Wolfram Buchenberg, erklingt zu Beginn des Wettbewerbs im Schlosshof. Wir dürfen als erster Chor im Volksliedbewerb ran. Eine Reise um die Welt beginnt. Archaisch anmutende Lieder aus Weißrussland bewegen; der perfekt choreografierte Lobgesang auf Südafrikas Menschen und Landschaft begeistert; der Klang der Spirituals aus den USA macht sprachlos. Und dazu ein deutscher Chor mit fünf deutschen Weisen, schlicht und elegant. Das Publikum ist berührt. Die Jury belohnt uns mit 87 Punkten und einem hervorragenden 5. Platz. Vorne verdientermaßen USA und Indonesien vor den Publikumslieblingen aus Südafrika. Zum gediegenen Ausklang des ersten Wettbewerbstags genehmigt der Chorleiter den Genuss eines Bieres.

 

Der Sang, der klingt so schauerlich

In Johannes Brahms' „Es geht ein Wehen“, einem weiteren Pflichtstück im zweiten Teil des Wettbewerbs, wird das Klagen und Sehnen der ungestümen „Windsbraut“ besungen. Die Pflichtlieder erklingen zu Beginn des Kunstliedbewerbs im trockenen, stickigen Stadtsaal Spittals zu morgendlicher Stunde. Die äußeren, nicht optimalen Rahmenbedingungen führen bei allen Chören dazu, dass der Gesang den Text der oben angegeben Passage aus Brahms' Kunstlied treffend veranschaulicht.

 

Ich hör ein süß Getöne

Abends trifft man sich dann aber wieder zur Kür im Schlosshof Porcia. Alle Chöre haben zehn Minuten zur Verfügung und sind völlig frei in ihrer Programmgestaltung. Die unglaubliche Vielfalt, die Chormusik ausmacht, wird an diesem Abend dem Publikum zuteil. Wir treten als letzter Chor auf die Bühne und bilden somit sozusagen die Klammer des ganzen Wettbewerbs. Nach zwei zeitgenössischen amerikanischen Chorwerken von Leland Sateren und Rene Clausen folgt das sehr rhythmische, fast dadaistisch anmutende „Mironczarnia“ des polnischen Komponisten Jakub Neske. Dann Stille, ehe stürmischer Beifall aufbrandet. Vorhang. Am Ende erreichen wir hier den 8. Platz mit 83,5 Punkten. Auf Platz 1 der sagenhafte Bob Cole Chamber Choir aus Kalifornien. Wir sind insgesamt zufrieden, als deutlich kleinster Chor mit nur 17 Sängerinnen und Sängern mit den anderen Chören mitgehalten zu haben.

 

Jetzt, Brüder, eine gute Nacht

Einen Podiumsplatz in der inoffiziellen Kategorie „Feiern nach dem Wettbewerb“ können wir aber auf jeden Fall beanspruchen. Zusammen mit den tapferen Irinnen und Iren vom Universitätschor Tullamore machten wir im altehrwürdigen „Weißen Rössl“ die Nacht zum Tage. Weit nach Mitternacht tönt „Danny Boy“ aus trunkenen Kehlen; Arm in Arm in deutsch-irischer Verbundenheit. Und mit Wehmut im Herzen blicken wir auf eine wunderschöne Woche zurück. Wir kommen gerne wieder. Nächstes Mal aber mit einer etwas größeren Besetzung.

 

Martin Hummel