SWEET MUSIC

25 Jahre Carpe Diem Limburg

 

19 2 Carpe Diem Limburg webZum 25-jährigen Bestehen des Frauenkammerchors "Carpe Diem Limburg" fand Ende Oktober in der Domäne Blumenrod ein Konzert statt, das dem Jubiläum und den zahlreichen Mitwirkenden alle Ehre machte.

 

Die Jubilarinnen feierten sich selbst mit exquisiter Frauenchorliteratur und luden außerdem hochkarätige Gratulanten zum Musizieren ein: den Männerkammerchor "Cantabile Limburg" und das Streichquartett "viergeteilt" aus dem Westerwald.

 

Das Konzert stand unter der Gesamtleitung von Jürgen Faßbender, der „Carpe Diem Limburg“ mitgegründet hat und seitdem leitet. Mit den beiden renommierten Ensembles hat er bereits über Europa hinaus konzertiert und internationale Preise eingeheimst.

 

Zu Beginn stellte sich das 'Geburtstagskind' mit reiner Frauenchormusik aus dem 20. Jahrhundert vor; der aus über 30 Frauen bestehende Chor, der an diesem Abend mit bis zu 24 Ehemaligen verstärkt wurde, verfügt über einen in allen Stimmen ausgeglichenen, homogenen Klang, strahlende erste und zweite Soprane und – wonach sich manch anderer Frauenchor die Finger lecken würde – wunderbare dunkle und warme Altstimmen. Die sicherlich nicht einfachen zeitgenössischen Stücke schienen den Damen keine Schwierigkeiten zu bereiten, Intonation, Sprachbehandlung und die Vertrautheit mit rhythmischen Vertracktheiten ließen nahezu nichts zu wünschen übrig. Die Auswahl der Stücke war höchst interessant: besonders reizvoll "Tundra" von Ola Gjeilo, das von einem Streichquartett und der Pianistin Irina Martin sehr einfühlsam und klangschön begleitet wurde. Bei dem wunderbaren "O salutaris hostia" mit den beiden Sopransolistinnen Hannah Gries und Felicia Huwer musste sich so mancher im Publikum eine heimliche Träne aus dem Augenwinkel wischen. Diesem Stück und den beiden Sängerinnen möchte man die Akustik eines romanischen Domes gönnen!

 

Im zweiten Teil des Konzerts wurde das Frauenensemble um die Männer von "Cantabile Limburg" zum vier- bzw. mehrstimmigen Chor erweitert; zu hören war unter anderem eine zeitgenössische Vertonung des Wessobrunner Gebets, eines frühen althochdeutschen Sprachdenkmals. Zum Chor kamen hier neben Streichquartett und Klavier auch noch Schlaginstrumente (Matthias Schachl) hinzu – im Zusammenhang mit den altdeutschen Stabreimversen, die die Frauen sangen (und die von den Männern singend ins Neudeutsche übertragen wurden), ergab sich eine quasi archaische Wirkung mit ausdrucksvollen Klangballungen. Spätestens hier wurde dem Publikum auch klar, welch organisatorischer Aufwand hinter dem Konzert gestanden haben musste, um alle Ausführenden zu Proben zusammenführen zu können!

 

Vor der Pause gab sich "Cantabile Limburg" die Ehre - in gewohnt souveräner Form, klangschön und höchst sensibel musiziert, die Zuhörer gleichermaßen mit feinstem Pianissimo wie auch mit virilem Forte beglückend - hohe A-Capella-Kunst! Irina Martin war auch den Männern in einigen Stücken eine ebenbürtige Partnerin, nicht allerdings bei "Stars" – hier bedienten sich die Herren als Begleitinstrument einiger mit Wasser gefüllter Weingläser, deren feiner, sirrender Klang die Ohren angenehm betörte.

 

Im zweiten Teil präsentierte das Streichquartett mit Klementina Pleterski, Kyra Kraft, Fabian Glück und Judith Huba-Schimanowski seine Kunst – besonders gelungen die dichte Intensität bei Sibelius und das duftige und launige Pizzicato der Zugabe.

 

Den Abschluss bildete noch einmal der gemischte Chor, unter anderem mit dem atmosphärisch sehr gelungenen "Water Night" von Eric Whitacre und dem abschließenden "Richte mich Gott" von Mendelssohn, bei dem, zumindest bei den Zuhörern, kein Auge trocken blieb.

 

Nicht zuletzt muss erwähnt werden, dass "Carpe Diem Limburg" mit ihrer Moderatorin Ragnhild Schreiber, die im übrigen Mitglied des Chores ist, das große Los gezogen hat. Ihre Erläuterungen zum Programm waren nicht nur humorvoll und kurzweilig, sondern auch tiefgehend – diese Frau hatte etwas zu sagen!

 

Alles in allem ein wunderbarer Konzertabend in einem sehr angenehmen Rahmen, denn auch die kulinarischen Angebote suchten ihresgleichen!

 

Text: Gariele Scholz

Foto: Carpe Diem Limburg