Chorleiterschulen

Gute Chöre brauchen gute Chorleiter. Aus diesem Grund betreibt der Hessische Sängerbund zwei Chorleiterschulen in Marburg und Frankfurt am Main. Diese beiden Einrichtungen stellen mit ihren hochqualifizierten Dozenteams die Aus- und Weiterbildung von Chorleiterinnen und Chorleitern für die hessischen Chöre sicher.

Die Kurse stehen allen Interessierten offen. Weitere Informationen zu den angeboten der jeweiligen Chorleiterschule gibt es auf den folgenden Seiten:

 

 

 

 

Chorleiter-Mangel contra Chorleiter-Ausbildung

 

Ein Bericht von Thomas Bailly, dem Leiter der Chorleiterschule des Hessischen Sängerbundes am Dr. Hoch‘s Konservatorium Frankfurt.
Anmerkung: Die Bezeichnung .Chorleiter. wird im folgenden Artikel gleichermaßen für Chorleiterinnen und Chorleiter verwendet.

 

Unter Vorsitzenden und Chorleitern dürfte es wohl allgemein bekannt sein, dass der Hessische Sängerbund in den Chorleiterschulen Frankfurt und Marburg jährlich Ausbildungs-Lehrgänge für Chorleiter und Kinderchorleiter anbietet. Dies in einem Extra-Artikel zu erwähnen wird wohl zuerst überraschen. Bei genauerem Hinsehen stellen wir jedoch zunehmend fest, dass die Ausbildungszahlen keinesfalls mit den steigenden Nachfragen nach Chorleitern wächst. Nahezu wöchentlich erhalte ich Anrufe und persönliche Nachfragen über "freie" Chorleiter zur Übernahme von Gesangvereinen und Chören innerhalb des HSB. Besonders deutlich wurde mir dieser Bedarf während vieler Gespräche nach Fortbildungsseminaren unter meiner Leitung in einzelnen Sängerkreisen:

 

Chöre können ihre Konzerttermine oft nicht einhalten und müssen Liederabende, Wertungssingen, Kritiksingen oder gar Wettbewerbe absagen, da sie über längere Zeiträume keine Chorleiter finden!


Dies widerspricht eigentlich den Bemühungen des HSB, denn wir bieten nicht nur eine Chorleiter-Ausbildung an zwei Orten in Hessen (Marburg und Frankfurt) an, sondern der HSB übernimmt auch einen Großteil der Ausbildungskosten in Verwendung von Fördermitteln durch das Land Hessen. Vergleichbare Ausbildungen an öffentlichen Instituten kosten ein MEHRFACHES!


Also woran kann es liegen, dass sich zu wenig Chorleiter in Hessen ausbilden lassen? Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach darin, dass interessierte Sängerinnen und Sänger, Schülerinnen und Schüler und weiterhin auch Vize-Chorleiter in zahlreichen Fällen keine Informationen über die Ausbildungs-möglichkeiten des HSB erhalten, das der Hessische Chorspiegel den möglichen und potentiellen Chorleiter-Nachwuchs nicht erreicht.


Aus diesem Grunde sind wir sehr darauf angewiesen, dass besonders die Vorsitzenden und Chorleiter gemeinsam mit uns immer Ausschau nach interessierten Sängerinnen und Sängern halten, die für eine solche Ausbildung in Frage kommen. Leider denken viele Vorsitzende oft zu spät über eine Chorleiter-Nachfolge nach und müssen dann vielerorts mehrere Monate ohne einen ausgebildeten Chorleiter auskommen. Aber auch aktive Chorleiter sollten daran interessiert sein, über möglichst gut ausgebildete Vize-Chorleiter und Chorleiter-Vertreter in ihren Chören zu verfügen, da dies auch eine deutliche Erleichterung bei eigenen Terminschwierigkeiten (Auftritten etc.) darstellen würde. Aus persönlichen Erfahrungen ist mir bekannt, wie schwierig es z.T. sein kann, in wenigen Monaten geeignete Nachfolger zu finden.


Ein zweites Grundproblem wurde mir besonders in ländlichen Regionen Hessens durch zahlreiche Gespräche bekannt: Vielerorts werden die Anforderungen zu den Chorleiter-Lehrgängen zu hoch eingeschätzt und ich begegne immer häufiger der Meinung: "Das schaffe ich ja doch nicht!" - "Ich kann ja gar nicht Vom-Blatt-Singen!" - "So gut wie unser Chorleiter spiele ich nicht Klavier!" etc. etc.

 

Eine Ursache für diese falsche Einschätzung ist eine grundsätzliche Fehlinterpretation der Aufnahmegespräche an den Chorleiterschulen. Sicherlich sind allgemeine und elementare Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen der Musik notwendig, um diese Ausbildungen erfolgreich zu bewältigen. Bei den Aufnahmegesprächen geht es jedoch nicht grundsätzlich um ein Bestehen einer Aufnahmeprüfung, sondern vielmehr um die Einordnung in die unterschiedlichen Ausbildungsangebote: A-Kurs, B-Kurs, Vorkurs und Kinder-Chorleitung (FFM). Das bedeutet, dass sogar bei anfänglich ungenügenden Voraussetzungen eine grundsätzliche Teilnahme am Vorkurs möglich ist. In Verbindung mit weiterem
Privatunterricht (z.B. Klavier) kann danach ein B-Kurs und sogar aufbauend ein A-Kurs erfolgen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass dieser Weg nach zwei bzw. drei Jahren zu guten und z.T. sehr guten Ergebnissen führen kann!

 

Deshalb bitten wir alle Vorsitzenden, Chorleiter bzw. Vize-Chorleiter, die den Hessischen Chorspiegel erhalten:

  • Informieren Sie in Ihren Chören über die Ausbildungsmöglichkeiten zum Chorleiter im HSB
  • Weisen Sie auf die finanziell günstige Ausbildung durch den HSB hin
  • Sprechen Sie geeignete Sängerinnen und Sänger in Ihren Chören an
  • Ermutigen Sie Schülerinnen und Schüler, die am Chorgesang interessiert sind zur Chorleiter-Ausbildung in Marburg und Frankfurt
  • Unterstützen Sie Ihren Chorleiter-Nachwuchs in Ihrem eigenen Interesse

 

... denn: Je qualifizierter die Ausbildung Ihrer Chorleiter, um so größer sind Ihre musikalischen Möglichkeiten für die Zukunft Ihrer Chöre!